Hörgeräte sind ein wesentlicher Bestandteil, um die Lebensqualität von Menschen mit einer Schwerhörigkeit zu verbessern. In diesem Beitrag geben wir Ihnen einen klaren Überblick über die verschiedenen Arten von Hörgeräten, wie sie funktionieren und welche Unterstützung Sie bei der Kostenübernahme erhalten können, um die richtige Entscheidung für Ihre Hörbedürfnisse zu treffen. 

Was sind Hörgeräte? 

Ein Hörgerät ist ein Medizinprodukt, das entwickelt wurde, um Hörverluste auszugleichen und insbesondere bei Schwerhörigkeit die auditive Wahrnehmung zu verbessern. Durch die Verstärkung und Modulation von akustischen Signalen ermöglichen Hörgeräte den Betroffenen eine bessere Klangwahrnehmung und unterstützen sie dabei, wieder aktiv am sozialen Leben teilzunehmen. Es gibt verschiedene Formen von Hörgeräten, die individuell an die Bedürfnisse und den Grad der Hörminderung des Nutzers angepasst werden können.

Für welche Personen sind Hörgeräte geeignet?

Hörgeräte sind sinnvoll und geeignet für jeden, der unter einer Schwerhörigkeit leidet, unabhängig vom Alter. In Deutschland betrifft dies etwa jeden fünften Menschen, wobei die Wahrscheinlichkeit einer Hörminderung mit zunehmendem Alter steigt. Hörgeräte helfen dabei, den Hörverlust auszugleichen und die Lebensqualität zu verbessern, indem sie die auditive Wahrnehmung optimieren.

Hörgeräte sind demnach für eine breite Personengruppe geeignet, die unter Hörverlust leidet. Diese Zielgruppen umfassen:

  1. Senioren: Ältere Menschen sind die Hauptzielgruppe für Hörgeräte, da Altersschwerhörigkeit (Presbyakusis) weit verbreitet ist. Mit zunehmendem Alter verschlechtert sich das Hörvermögen oft, und Hörgeräte helfen, die Lebensqualität zu erhalten, indem sie die Kommunikation und die Teilnahme am sozialen Leben erleichtern.
  2. Menschen mit beruflichen Anforderungen: Personen, die in Berufen arbeiten, in denen klare Kommunikation und gutes Hörvermögen entscheidend sind, profitieren von Hörgeräten. Dazu gehören Lehrer, Führungskräfte, Kundendienstmitarbeiter und andere, die häufig in Meetings, Telefonaten oder direkten Gesprächen aktiv sein müssen.
  3. Aktive Erwachsene und Sportler: Erwachsene, die einen aktiven Lebensstil pflegen, einschließlich Sportler, benötigen oft spezielle Hörgeräte, die robust, wasser- und schweißresistent sind. Diese Geräte helfen, während des Sports oder bei Outdoor-Aktivitäten wichtige Umgebungsgeräusche wahrzunehmen und die Sicherheit zu gewährleisten.
  4. Kinder und Jugendliche: Hörgeräte sind auch für Kinder und Jugendliche geeignet, die unter angeborenem oder erworbenem Hörverlust leiden. In dieser Zielgruppe sind Hörgeräte entscheidend für die sprachliche Entwicklung, den schulischen Erfolg und die soziale Integration.
  5. Menschen mit besonderen Höranforderungen: Personen, die in schwierigen Hörumgebungen leben oder arbeiten, wie zum Beispiel in lauten Städten oder in großen Familien, profitieren ebenfalls von Hörgeräten. Diese Geräte können helfen, die Sprache von Hintergrundgeräuschen zu trennen und das Verstehen zu erleichtern.
  6. Personen mit einseitigem Hörverlust: Menschen, die auf einem Ohr schlecht oder gar nicht hören, können spezielle Hörgeräte nutzen, die den Klang vom schlechteren Ohr zum besseren übertragen, um eine räumliche Orientierung und bessere Sprachverständlichkeit zu ermöglichen.
  7. Menschen mit Hörverlust aufgrund von Erkrankungen oder Verletzungen: Personen, die durch Erkrankungen wie Otosklerose, Lärmschäden, Infektionen oder Kopfverletzungen einen Hörverlust erlitten haben, können durch Hörgeräte ihr Hörvermögen verbessern und so ihre Lebensqualität steigern.

Funktionsweise von Hörgeräten 

Hörgeräte sind komplexe und kompakte Geräte, die aus drei wesentlichen Komponenten bestehen: einem Mikrofon, einem Verstärker und einem Lautsprecher. Diese arbeiten zusammen, um den Schall in einer für das geschädigte Gehör verständlichen Form wiederzugeben.

Das Mikrofon fängt die Umgebungsgeräusche, wie zum Beispiel Sprache, auf und wandelt sie in elektrische Impulse um. Diese Signale werden an den Verstärker weitergeleitet, der speziell die Töne verstärkt, die der Träger aufgrund seines Hörverlustes nicht mehr gut wahrnehmen kann. In modernen, digitalen Hörgeräten übernimmt ein Computer-Chip diese Aufgabe, der die Signale nicht nur verstärkt, sondern auch optimiert, indem er beispielsweise störende Hintergrundgeräusche herausfiltert. Anschließend gibt der Lautsprecher die bearbeiteten Signale an das Innenohr weiter, von wo aus sie ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet werden.

Digitale Hörgeräte bieten darüber hinaus zahlreiche zusätzliche Funktionen. Der integrierte Computerchip kann individuell programmiert werden, sodass das Hörgerät genau die Frequenzen verstärkt, die der Träger benötigt. Zudem verfügen viele Modelle über voreingestellte Hörprogramme, automatische Lautstärkeanpassungen und die Möglichkeit, das Gerät per Fernbedienung oder Smartphone zu steuern. Diese Funktionen ermöglichen eine präzise Anpassung an unterschiedliche Hörsituationen, wie etwa bei einem Konzert oder in einer lauten Umgebung. Die Energieversorgung erfolgt in der Regel über eine kleine Batterie.

Dank dieser fortschrittlichen Technologie können Hörgeräte Betroffenen helfen, ihre auditive Wahrnehmung wiederherzustellen und ihre Lebensqualität zu verbessern.

Pflegegrad-12345 Hinweis:
Einige Hörgeräte verfügen über eine  integrierte Bluetooth-Technologie und ermöglichen eine kabellose Verbindung mit verschiedenen Geräten. Dadurch verwandeln sich die Hörgeräte in drahtlose Kopfhörer, mit denen telefoniert, Musik gehört oder Fernsehen in exzellenter Stereoqualität genossen werden kann. Die Steuerung von Lautstärke und Audioquelle erfolgt bequem über eine Fernbedienung.

Arten von Hörgeräten 

Es gibt verschiedene Arten von Hörgeräten, darunter Im-Ohr-Geräte (IdO), bei denen alle Komponenten im Ohr sitzen, und Hinter-dem-Ohr-Geräte (HdO), bei denen die Technik hinter dem Ohr platziert wird. Sie werden auch als interne und externe Hörgeräte bezeichnet: 

Im-Ohr-Hörgeräte (IdO) 

In-Ear-Hörgerät (ITE – In-The-Ear): Dieses Hörgerät wird vollständig in die Ohrmuschel eingesetzt. Es ist ideal für Menschen mit leicht bis mittelgradigem Hörverlust und bietet den Vorteil, dass es sich unauffällig im Ohr einfügt. Der größte Teil der Technologie befindet sich in einem einzigen Ohrstück.

In-the-Canal-Hörgerät (ITC – In-The-Canal): Etwas kleiner als das ITE, wird dieses Gerät teilweise in den Gehörgang eingeführt. Es ist weniger sichtbar und eignet sich für leichte bis mittlere Hörverluste. Der Klang wird näher am Trommelfell übertragen, was eine natürliche Klangwiedergabe ermöglicht.

Completely-in-Canal-Hörgerät (CIC – Completely-In-Canal): Dieses sehr kleine Hörgerät wird nahezu vollständig im Gehörgang versteckt. Es ist besonders unauffällig und eignet sich für leichte bis mittlere Hörverluste. Die Platzierung tief im Ohrkanal sorgt für eine natürliche Klangqualität und vermindert die Sichtbarkeit.

Invisible-in-Canal-Hörgerät (IIC – Invisible-In-Canal): Noch kleiner als das CIC, ist dieses Gerät so konzipiert, dass es unsichtbar im Gehörgang sitzt. Es eignet sich für leichte bis mittlere Hörverluste und bietet eine sehr diskrete Lösung.

Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte (HdO) 

HdO-Hörgerät mit Schallschlauch: Diese klassischen Hörgeräte bestehen aus einem Gehäuse, das hinter dem Ohr getragen wird, und einem Schallschlauch, der den Schall zum Ohrstück leitet. Sie sind in der Regel robust und bieten Platz für größere Batterien, was längere Betriebszeiten ermöglicht. Sie eignen sich für leichte bis schwere Hörverluste.

Receiver-in-Canal-Hörgerät (RIC): Bei diesem Typ sitzt der Lautsprecher (Receiver) direkt im Gehörgang, während das Gehäuse hinter dem Ohr platziert ist. Diese Bauweise ermöglicht ein kompakteres Design und weniger Rückkopplung. RIC-Hörgeräte sind besonders für mittlere bis schwere Hörverluste geeignet und bieten eine klare Klangwiedergabe.

Behind-the-Ear-Hörgerät mit externem Lautsprecher (BTE): Ähnlich wie das RIC-Hörgerät, aber mit einem externen Lautsprecher, der durch einen dünnen Schlauch mit dem hinter dem Ohr getragenen Gehäuse verbunden ist. Diese Art von Gerät bietet gute Anpassungsmöglichkeiten und ist für eine breite Palette von Hörverlusten geeignet.

Mini-HdO-Hörgerät: Die Mini-HdO-Hörgeräte sind eine kompakte Variante der traditionellen Hinter-dem-Ohr-Geräte. Sie bieten alle Vorteile eines HdO-Hörgeräts, sind jedoch kleiner und unauffälliger. Diese Geräte sind für Menschen geeignet, die einen diskreten Look bevorzugen, aber dennoch die Leistung und Robustheit eines HdO-Hörgeräts benötigen. Sie kombinieren ein schlankes Design mit modernster Technologie und sind besonders für leichte bis mittlere Hörverluste geeignet.

Jede Art der IdO- und HdO-Hörgeräten hat spezifische Vorteile und ist für unterschiedliche Hörbedürfnisse und -präferenzen geeignet. Die Wahl des richtigen Hörgeräts hängt von verschiedenen Faktoren ab, einschließlich des Grades des Hörverlustes, der Form des Gehörgangs und der persönlichen Vorlieben hinsichtlich des Komforts und der Ästhetik. Ein Hörgeräteakustiker kann dabei helfen, das passende Modell zu finden.

Zuschüsse für Hörgeräte

Hörgeräte zählen zu den anerkannten Hilfsmitteln und sind im Hilfsmittelverzeichnis der Krankenkassen aufgeführt. Dies bedeutet, dass sowohl die gesetzliche als auch die private Krankenkasse gemäß § 33 des Sozialgesetzbuches (SGB V) einen Zuschuss zu den Kosten gewährt. Voraussetzung für diesen Zuschuss ist eine ärztliche Verordnung vom Hals-Nasen-Ohren-Arzt, die bei einem Hörverlust von mindestens 30 Dezibel ausgestellt wird.

Wenn ein HNO-Arzt ein Hörgerät verordnet, übernimmt die gesetzliche und private Krankenkasse die Kosten für ein medizinisch notwendiges Standardgerät. Wenn jedoch ein höherwertiges, ästhetisch ansprechenderes oder teureres Modell gewünscht wird, müssen die zusätzlichen Kosten selbst getragen werden. Der Festbetrag für die Versorgung mit einem einohrigen Standard-Hörgerät einschließlich Otoplastik beträgt brutto bis zu 964,50 Euro. Für eine beidseitige Versorgung liegt der Betrag bei 1.603,81 Euro (Stand: 20.12.2021).

Für ein zweites Hörgerät kann eine neue Versorgung frühestens nach sechs Jahren beantragt werden. Zusätzlich übernehmen die Krankenkassen die Kosten für Beratung und Anpassung durch einen Hörgeräteakustiker sowie für Reparaturen der zuzahlungsfreien Geräte, und zwar über einen Zeitraum von sechs Jahren.

Pflegegrad-12345 Hinweis:
Otoplastik ist das maßgefertigte Ohrstück eines Hörgeräts, das individuell an die Form des Gehörgangs angepasst wird, um eine optimale Passform, Komfort und Schallübertragung zu gewährleisten.

Feature Fragen 

Welche Hörgeräte gibt es? 

Hörgeräte lassen sich in zwei Hauptkategorien unterteilen: Im-Ohr-Geräte (IdO) und Hinter-dem-Ohr-Geräte (HdO), wobei jede Kategorie weitere Unterarten umfasst.

Wie funktionieren Hörgeräte? 

Hörgeräte nehmen Schall auf, verstärken ihn und geben ihn über einen Lautsprecher an das Ohr weiter.

Welche Zuschüsse gibt es für Hörgeräte? 

Die Krankenkassen übernehmen einen Festbetrag für Standardhörgeräte und zusätzliche Kosten für individuell angefertigte Ohrstücke und Reparaturen.

Für wen sind Hörgeräte geeignet? 

Hörgeräte sind für Menschen mit Hörverlust oder Schwerhörigkeit geeignet.